Portal:JungeJunge

Aus Jugendwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Jungejunge.jpg
Zum JungeJunge-Blog

Allgemeines

Jungenarbeit ist Bestandteil eines allgemeinen geschlechterreflektierenden und differenzierenden Jugendhilfeansatzes. Jungenarbeit ist die logische Folge der kritischen Auseinandersetzung mit der traditionellen Männerrolle, der Emanzipationsbewegung, der Gender Diskussion und der Einrichtung von Mädchenarbeit.

Jungenarbeit macht es sich zur Aufgabe den spezifischen Bedürfnissen von Jungen Rechnung zu tragen, die Arbeit an diesen Bedürfnissen auszurichten und die Fähigkeiten und Stärken von Jungen gezielt zu fördern. Grundsätzliches Ziel von Jungenarbeit ist die Förderung von Selbständigkeit und Selbstbewusstsein bei jungen. Sie schafft Freiräume, innerhalb derer Jungen in Bezugnahme und in der Auseinandersetzung mit anderen Jungen und Männern eine eigenständige Identität entwickeln und Konflikt und Entscheidungsfähigkeit einüben.

Jungenarbeit ist innerhalb der Jugendarbeit eine in Jungenerziehung und Jungenpädagogik eingebettete, gezielte Vorgehensweise mit dem Ansatz, Jungen aus ihren über viele Jahre gelernten und zugeschriebenen Rollen zu lösen und ihr Verhal-tensrepertoire entsprechend ihrer Bedürfnisse und Fähigkeiten mit zusätzlichen Anteilen zu erweitern.

Diese Art der Jungenarbeit ist dann am effektivsten (laut Uwe Sielert), wenn sie von männlichen Mitarbeitern in der Jugend-arbeit durchgeführt wird, die ihre eigene Sozialisation, ihre Rollenübernahme aus gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, ihr Mannsein reflektiert und analysiert haben.

Ziele des AK Jungenarbeit Göppingen

kurzfristig:

  • Internetseite mit Beratung, Fachwissen, Projektvorschlägen
  • Austausch/Reflexion über eigene Jungenarbeit
  • Entwurf von gemeinsamen Projekten,Umsetzen von Ideen

mittelfristig:

  • Arbeitsgruppen zu jungenspezifischen Themen
  • Festigung des Arbeitskreises (dauerhafte Einrichtung), Fortbildung
  • Projektvorschläge und gemeinsame Durchführung

langfristig:

  • Änderung des schlechten Frauenbildes bei Jungen
  • positive Entwicklung in der Jungensozialisation
  • neues und besseres Rollenverständnis
  • frühere Begleitung durch männliche Bezugspersonen

Brauchen WIR Jungenarbeit ?

Wozu braucht man Jungenarbeit? Anders gefragt brauchen wir Jungenarbeit?

Der Ansatz der Jungenarbeit liegt wie bei der Mädchenarbeit in der Notwendigkeit fehlende Lernbeispiele und fehlende Bezüge zu ersetzen, in den lebensrelevanten Bereichen Orientierung und Hilfen anzubieten, Handlungskonzepte vorzustellen und praktisch auszuprobieren. Selbstwert und Selbstbewusstsein zu stärken, gegengeschlechtliche Themen anzugehen und die eigene Körperlichkeit zu empfinden und Gender Mainstreaming.

Wenn wir davon ausgehen das ein Junge überwiegend in seinen ersten rund zehn Lebensjahren hauptsächlich mit Frauen (Mütter, Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen) zusammen kommt und nur am Rande mit Männern, also überwiegend von Prinzipien und Lebensweisen von Weiblichkeit vorgeprägt wird, erkennen wir hieraus, dass brauchbare, tragfähige Anregungen für dessen geschlechtliche Entwicklung fehlen. Dennoch erleben sie Männlichkeit und eignen sich die Verhaltensmuster an welche für sie zum Beispiel reizvoll oder interessant erscheinen. Durch den Umgang mit Gleichgeschlechtlichkeit eignen sie sich so nach und nach ihre Art an. Sprache, Mimik, Kleidung, Verhalten, Einstellungen, Werte, Normen und Ziele. Auch TV Schauspieler, Musiker, Sportler, Idole, auch aus der Konserve, dienen hier als Vorbilder und letztere auch in der Sexualität.

Ein wenig zur Statistik – diese liest sich nicht gerade wie die heile Welt!

männlich       weiblich
Göppinger Jugendknast           90 %         10 %
Jugendgerichtshilfe (2002)      83 %          17 %
Gewalttaten                         80 %         20 %
Gewalt in Sexbereich              90 %         10 %
Opfer von Gewalttaten           70 %          30 %
Opfer von sexueller Gewalt      25 %          75 %

Die unterschiedlichen Massaker in den Schulen, so auch in Eschede haben wir gedanklich aufgenommen, diese gehen fast ausschließlich von Jungen aus, ebenso Missbrauch, Vergewaltigung und Gewalt an der Schule. Dennoch ein paar positive Zahlen, so sind bei karitativen und Hilfsorganisationen die männlichen Teilnehmer noch in der Überzahl, so beim Stadtjugendring, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und zum Beispiel bei den Maltesern rund 60 männlich 40 weiblich. Dennoch darf man erkennen das der Umgang mit Gewalt, Aggressionen, positive und negative Energien, bei den männlichen Personen ein Manko darstellt. Hier sind notwendige Hilfemöglichkeiten anzubieten. Auch bei Konsumenten von illegalen und anderen Drogen sind überwiegend Jungen und Männer beteiligt ebenso bei Rechtsextremismus, Schulverweigerung und Selbstmord.

Im folgenden eine Zusammenfassung wichtiger jungenrelevanter Themen:

Gewalt wird oft angewandt aufgrund fehlender anderer Möglichkeiten einer Problembewältigung. So leider auch, um Interessen und Bedürfnisse durchzusetzen.

Wichtig also, Kontakte aufnehmen und Kommunikation lernen, an Selbstwertgefühl zu reifen und eine Angenommenheit zu verspüren, klare Regeln und Grenzen kennen zu lernen (Erlebnispädagogik, Rollenspiele etc.).

Viele Jungen kennen ihre eigenen Gefühle zu wenig und können damit nicht richtig umgehen, auch reden sie hierüber untereinander, Jungen und Jungen, weniger, als Mädchen mit Mädchen. Somit gehen sie auch anders mit anderen um, können nicht mit den Themen, Ängste, Traurigkeit, Allein sein, Einsamkeit, Zukunftsängste, Schul- und Versagensängste umgehen, haben oft nicht den Mut auf das andere Geschlecht zuzugehen, leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, fehlender Selbstbestätigung und anderem. Auch Hilfen annehmen zu können oder zu wissen wo und wie man sie bekommen kann, hieran mangelt es bei ihnen oft ebenso. Die andere Meinung zu akzeptieren, zuhören, zusammen etwas gemeinsam bewerkstelligen, zu unternehmen, Kritik zu vertragen lernen, eigene Meinung gegenüber anderen zu äußern und auch die Meinung anderer zu akzeptieren also selber Grenzen zu setzen, nein sagen zu können und diese bei dem anderen annehmen zu können, zu akzeptieren, fällt ihnen schwer. Ebenso Verantwortung zu übernehmen und vertrauen zu lernen. Jungen haben oft wenig Bezug zu ihrem eigenen Körper. Er dient oft nur der Leistung, wobei Körper, Seele und Geist zu kurz kommen. Jungen haben Probleme Jungen zu umarmen bei Begrüßungen und anderem um nicht vor anderen als homosexuell abgestempelt zu werden oder als solcher da zustehen. Bei Mädchen hingegen ist dieses eher toleriert und wird geduldet und auch unternommen. Jungen haben Angst homosexuell zu sein. Sie tragen sehr viele Fragezeichen in sich herum, die nach Beantwortung streben.

Ziele in der Jungenarbeit:

- Selbstwertgefühl und Konfliktfähigkeit fördern
- Frauenbild vermitteln das auf Wertschätzung zielt
- Emotionale Ausdrucksfähigkeit fördern
- Eigene Schwächen wahrzunehmen und bei anderen zu akzeptieren
- Konstruktiver Umgang mit den Schwachen Gefühlen (Angst, Traurigkeit, Trauer,      Einsamkeit, Zukunftsängste, Schul- und Versagensängste, Allein sein)
- Positive Einstellung zu Haushalt, Kindern etc.
- Sensibilisierung und Respektierung der Grenzen anderer und eigener
- Anders Geschlechtlichkeit dankbar annehmen zu können
- Reflektion und Veränderungsmöglichkeiten bei sich selber sehen, suchen und finden
- Empfindsamer machen für den eigenen Körper

(Auszugsweise aus Beschreibung von Claus Schiederich 2002 – Jungenarbeit Köln)

Jungenarbeit hilft Jungen bei der Suche nach deren Männlichkeit welche ihren Bedürfnissen gerecht wird und letztlich auch dem anderen Geschlecht dient. Eine gute Jungenarbeit und eine gute Mädchenarbeit führen letztlich zusammen.

gez.
Joachim Kozlowski

Wozu braucht man überhaupt Jungenarbeit?

Wozu braucht man überhaupt Jungenarbeit?

Wenn wir uns den Entwicklungsverlauf eines Jungen vom Säugling über Baby zum Kleinkind, bis hin zum Jugendlichen betrachten, fällt uns auf, dass dieser überwiegend durch Weiblichkeit geprägt wurde. Kontakte zu seiner Mutter und deren Freundinnen, Erzieherinnen und Grundschullehrerin bekam. Dessen Vater und Kontakte zu Männlichkeit nur partiell erleben konnte. Identifikation und Rollenverständnis hin zur Männlichkeit kamen zu kurz. Nachholbedarf herrscht.

Doch wie?

A. Wir wollen uns selber im  Rollenverständnis prüfen. Wo stehe ich, wie sieht mein Bild von Mann/Frau aus?

B. Lernen, die anderen Bereiche, die eher als weich gelten, bei mir und Anderen zu lassen zu können.

C. Lernen, der eigenen emotionalen Ausdrucksfähigkeit, sowie den Umgang mit Ängsten, Einsamkeit, Traurigkeit…

D. Lernen von Selbständigkeit. Im Haushalt, beim Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen…, auch lernen für Andere etwas zu machen.

E. Ein positives Frauenbild zu vermitteln und zu lernen.

F. Den eigenen Körper kennenlernen und empfindsam für ihn zu werden (auch Hygiene u. a.).

G. Väter mit ins Boot holen, den diese sind wichtige Identifikationsfiguren für ihre Söhne.

H. Sportliches Ringen – Kämpfen lernen und wichtig lernen, wann Schluss ist. Lernen, mit seinen Aggressionen umzugehen.

Möglichkeiten hierfür sind:

Austausch, Fortbildungen, Veranstaltungen, Jungenpädagogisch bezogene Erlebnispädagogig, Referenten einladen, Methodenk kennenlernen, Selbstbesinnung…

Über unser Forum können Sie sich

mit anderen über jungenpädagogische Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen austauschen.

Selber jungenrelevante Infos hineinstellen oder / und nützliche Infos abrufen (Seminare, Fortbildungen, jungenpädagogische Projekte, Fachberatung, Bücher u. a.).

Links zu interessanten Seiten

Partner

Literaturliste zur Jungenarbeit

Titel Autor /Herausgeber Verlag Erscheinungsjahr
Einsame Cowboys Benard, Schlaffer DTV 2002
Mütter machen Männer Benard, Schlaffer Heyne 2000
Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen Steve Biddulph Beust 2002
Jungen in der Pubertät Joachim Braun Rowohlt 2003
Coole Mädchen - starke Jungs Rhyner/Zumwald Haupt 2002
Jungs erziehen - Zukunft gestalten James Dobson Hänssler 2003
Wie man kleine Räuber zähmt Gerald Drews Knaur 2004
Starke Mädchen, starke Jungs Petra Focks Herder 2002
Typisch Mädchen! Typisch Junge! Susan Gilbert DTV 2004
Die Jungs von nebenan Götz Haindorff GVA ß Frieden 2003
Weil ich ein Junge bin Doro Kammerer Herder 2000
Was braucht mein Sohn? Kindlon, Thompson Fischer 2000
Jungen sind einfach anders Cornelia Nitsch Goldmann 2002
Endlich selbstbewusst und stark Oelemann, Lempert OLE Verlag 2000
Jungen, was sie vermissen, was sie brauchen William F. Pollack Beltz 2001
Arme Jungs Gisela Preuschoff PapyRossa 2004
Praxisbuch Mädchen- und Jungenstunden Astrid Kaiser Schneider 2001
Lauter starke Jungen Rogge/Mähler Rowohlt 2003
Echte Kerle Tim Rohrmann Rowohlt 2001
Jungen in Kindertagesstätten Rohrmann/Thoma Lambertus 1998
Kleine Helden in Not Schnack/Neutzling Rowohlt 2003
Wut im Bauch Detlef Stoklossa Lambertus 2001
Schulprogramme zur Mädchen- und Jungenförderung Barbara Koch-Priewe Beltz 2002
Weder Macho noch Muttersöhnchen Eva Zeltner DTV 1999
Zwischen Teddybär und Superman Lu Decurtins Pro Juventute 2003
Ich bin froh, dass ich ein Junge bin Uli Boldt Schneider 2004
Boys only, Girls only Häußler/Ulmer Brunnen 2001
Gender Mainstreaming und Jungenarbeit Bentheim/ May/ Sturzenhecker/ ... Juventa 2004
JungenLeben - Traum und Trauma des Mannwerdens Detlev Gause EB - Verlag 2004
Müssen Jungs aggressiv sein? Jens Krabel Verlag an der Ruhr 1999
Typisch Junge? Frank Lohscheller Unrast 2001
Leitbild Männlichkeit Benedikt Sturzenhecker Juventa 1996
Männlichkeit und Gewalt Bieringer / Buchacher / Forster VS Verlag für Sozialwissenschaften 2000
Nur Macher und Macho? Kurt Möller Juventa 1997
Perspektiven der Jungenarbeit Jantz /Grote VS Verlag für Sozialwissenschaften 2003
Praxis der Jungenarbeit Sturzenhecker / Winter Juventa 2002
Praxishandbuch für die Jugendarbeit, Teil 2 Klees / Marburger / Sielert / ... Juventa 1993