Blog/"Courage junger Alltagshelden soll belohnt werden"

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Das Netzwerk Jugend hat mit einigen „Mut-Partnern“ ein Projekt zur Förderung der Zivilcourage gestartet.

Auslöser für das Präventionsprojekt „We can be Heroes“ sei ein bedenklicher Vorfall am Göppinger Bahnhof gewesen. „Vor etwa zwei Jahren wurde am helllichten Tag ein Jugendlicher von einer Gruppe zusammengeschlagen. Viele Menschen kamen vorbei, aber keiner der Passanten hat etwas unternommen. Einzig ein kleiner Junge war mutig genug, mit seinem Handy die Polizei zu rufen“, berichtet die Jugendkoordinatorin der Stadt, Rebecca Zabel.

Sie ist Mitglied des Netzwerks Jugend, einem Zusammenschluss verschiedener Göppinger Kinder- und Jugendeinrichtungen. Durch das Ereignis am Bahnhof seien sie verstärkt auf mangelnde Zivilcourage der Bevölkerung aufmerksam geworden und „We can be Heroes“ wurde daraufhin Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufen.

Viele namhafte Partner

„Wir wollen Mut und Engagement für Jugendliche wieder zu einem Thema machen. Sie sollen lernen, wofür es sich lohnt, sich einzusetzen“, sagt Zabel. Unterstützt werde das Projekt von vielen namhaften Partnern, wie unter anderem dem Landkreis und der Stadt Göppingen, der Firma Strassacker, dem Evangelischen Kirchenbezirk und der Polizei sowie der NWZ mit ihrem Bildungsprojekt „Wir lesen“. Auf dem Plan, erläutert Rebecca Zabel, stehen dabei viele unterschiedliche Aktionen zum Thema Zivilcourage, die sich an junge Generationen richteten. So zum Beispiel der Pilot-Workshop „Superheroes“. Fünftklässler der Uhland-Realschule erarbeiteten, wie sie sich Alltagshelden bildlich vorstellen.

Die Klasse 5a habe sich laut ihres Klassenlehrers Hans-Jörg Holler vier Konfliktsituationen ausgedacht, in denen mutiges Einschreiten nötig sei. Die Szenarien befassten sich mit Drogen, einer Schlägerei, einem Diebstahl und dem Thema Meinungsfreiheit. Es seien dann vier dreidimensionale Superhelden aus Pappe gestaltet worden, die in die jeweilige Situation eingreifen konnten. „Jede erdachte Szene wurde außerdem noch von den Kindern an verschiedenen Orten schauspielerisch dargestellt und gefilmt. Es hat ihnen super gefallen“, meint Holler. Fotograf Heiko Herrmann, der die Idee zu dem Workshop hatte und daran mitgearbeitet hat, ist begeistert von dem Engagement der Klasse: „Die Schüler haben sich wirklich mit der Thematik beschäftigt. Ich bin beeindruckt, was dabei entstanden ist.“

Im Rahmen von „We can be Heroes“ soll Zivilcourage aber nicht nur gefördert, sondern auch belohnt werden. Dafür wurde der Semmler-Preis für Mut und Zivilcourage ausgeschrieben. Junge Menschen bis 27 Jahre können sich mit ihrer Mut-Geschichte bewerben. Voraussetzung ist, dass eine brenzlige Situation von ihnen durch beherztes Eingreifen deeskaliert wurde, sie einem Opfer geholfen  oder  sich sonst für ein harmonisches Miteinander eingesetzt haben.

Der Initiator und Namensgeber des Preises, Bernd Semmler, meint: „Vertrau dir selbst und es geht was. Mut bewegt etwas.“ In Kooperation mit dem Netzwerk Jugend organisiert der Künstler aus Ottenbach den Wettbewerb. Doch das ist für ihn nicht das erste Mal, dass er sich mit Mut auseinandersetzt. Ganz im Gegenteil – die Thematik zieht sich durch alle seine Kunstwerke und jede seiner Lebenssituationen.

Der Künstler arbeitet gern mit jungen Menschen zusammen. Er gab zum Beispiel Kurse im Schießen mit selbstgebauten Bogen im Rahmen des Ferienprogramms. Im Umgang mit den Jugendlichen wolle er aber nicht belehrend sein, sondern auf einer Ebene mit ihnen über Dinge sprechen, die sie bewegen. Das könnten so einfache Sachen wie Handys oder Playstation- Spiele sein. „Die sind immer erstaunt, dass ich da mitreden kann. Aber ich spiele selber ab und zu Playstation und kenne mich darum ganz gut aus“, erklärt der Künstler lachend.

Belohnung für Mut ist Stolz

Seiner Meinung nach sei Zivilcourage sehr wichtig, Kinder sollten aber vor allem lernen, dass sie alles schaffen können, was sie wollen. „Ich weiß, dass ich nicht von Natur aus immer der Mutigste bin. Ich muss mir immer erst Mut machen, aber ich weiß auch, dass ich mich im Notfall auf mich selbst verlassen kann“, erzählt er. Die Belohnung für Mut sei Stolz und es wäre gerade für junge Menschen wichtig, auf sich selbst stolz zu sein.

Semmler findet: „Manche Eltern nehmen ihre Kinder zu oft in Schutz. Man muss sie eigene Erfahrungen sammeln lassen, damit sie sich an Situationen erinnern können, in denen sie mutig waren.“ Mut und Zivilcourage dürften jungen Menschen nicht von vorneherein aberzogen werden.

(SWP, 18.4.2017)